Der Handel der Zukunft

Fortschritt und Digitalisierung schreiten in all unseren Lebensbereichen voran, besonders auch im Handel. Doch wie genau könnte dieser in der zweiten Hälfte des 21. Jahrhunderts Aussehen? Bedürfnisse, Nachfrage, sowie Trends und der kontinuierliche Wandel unserer Gesellschaft sind der Grund für die stetige Entwicklung des Handels. Im Folgenden wird ein Ausblick gegeben, wie der Handel im Jahre 2050 aussehen könnte.

Technische Neuheiten und Weiterentwicklungen

Es ist davon auszugehen, dass im Jahr 2050 die herkömmlichen Kassen völlig aus dem stationären Handel verschwunden sind. Transaktionen würden nun völlig digital ablaufen. Beispielsweise könnten Mikro-Chips einen automatisierten Kaufprozess ermöglichen, da Lebensmittel oder Textilien beim Verlassen des Marktes automatisch von den Kundenkonten abgebucht werden würden. Auch die Gesundheit der Menschen wird immer mehr Beachtung finden. Somit wird auch der Einkauf von Lebensmitteln deutlich ambitionierter sein. Wer auf ungesunde Stoffe wie z.B. Zucker oder Glutamat verzichten möchte, wird es 2050 leichter fallen, seinen Einkauf auf seine individuellen Bedürfnisse anzupassen. Man könnte mit handlichen Devices, welche unseren heutigen Smartphones ähnlich sind, nun ganz einfach Inhaltsstoffe der Lebensmittel oder Herkunft und Rohstoffe von Gütern aller Art an den Verpackungen scannen und eben jene Informationen erhalten. Eine weitere Möglichkeit der Digitalisierung wäre das sogenannte „Indoor Positioning System“. Hierbei müssen Kunden ihre Einkaufswünsche am Eingang abgeben und werden anschließend über Lichtsignale durch den Markt navigiert.[1]

Einflussfaktoren exponentielle Entwicklung und Netzwerkeffekt

Unter exponentiellem Wachstum verstehen wir eine unendliche Wachstumsgröße, die ab einem kritischen Wert exponentiell wächst.[2]  Diese geht mit dem Netzwerkeffekt einher, da bei diesem der Nutzen eines Gutes bei steigender Nutzerzahl zunimmt.[3]

Der Einfluss des Netzwerkeffekts auf den Handel wird im Jahr 2050 einen sehr hohen Stellenwert haben. Die zunehmende Digitalisierung durch Smart Homes, Smartphones, soziale Netzwerke etc., wird der Handel stark beeinflusst. Diese Entwicklungen führen dann zu großen Veränderungen im Einzelhandel wie z.B. Foodverteilzentren, die das Essen nach digitaler Bestellung zu dem Kunden liefern. Diese Trends werden, durch den Netzwerkeffekt, immer Größer und wachsen ab der kritischen Menge exponentiell an. Das führt dann dazu, dass immer mehr Händler auf diese Trends aufspringen und den Einzelhandel in eine neue Entwicklungsstufe befördern.[4]

Anteile Online-Handel/Stationärer Handel

Der Trend ist eindeutig! Der Online-Handel boomt und scheint in Zukunft vor allem auch im Food Bereich einen viel höheren Stellenwert zu bekommen.[5] Im Jahr 2019 lagen die Umsätze im E-Commerce (B2C) in Deutschland bei 59,2 Milliarden Euro und damit um über 10 Prozent mehr als im Vorjahr. 2012 lagen die Zahlen noch bei 28 Milliarden Euro, also weniger als die Hälfte. Die Entwicklung zeigt (siehe Abb. 1). Versandhändler wie Amazon, Otto und Zalando spielen hierbei eine große Rolle. Auch der stationäre Einzelhandel versucht im Onlinehandel Fuß zu fassen. Während die Umsatzanteile des E-Commerce im stationären Einzelhandel 2012 noch bei 5,6 % lagen, sind sie bis 2018 auf 12,2 Prozent gestiegen.[6] Es wird also mehr auf Omni-Channel-Konzepte gesetzt, um dem etablierten Onlinehändlern die Stirn bieten zu können.

Abb. 1[7]

Entwicklung funktioneller/institutioneller Handel

Die größte Entwicklung im funktionellen Handel wird die Automatisierung von Prozessen und Abläufen in Logistik, Produktion und Verwaltung sein. Durch technologische Innovationen können die Produktionsabläufe deutlich vereinfacht werden. Ein Beispiel sind die sogenannten Cyber Physical Systems (CPS), also intelligente Materialien, die ihren eigenen Weg durch die Fertigungsprozesse finden, welche schon heute Verwendung finden und in Zukunft weiter verfeinert werden. Der Absatzmarkt des funktionellen Handels wird sich weiter in Richtung der Online-Welt bewegen, da dort ein größeres Kundenspektrum angesprochen werden kann als über den stationären Handel. Der institutionelle Handel könnte sich vom stationären Vertrieb der eigens produzierten Waren vollständig lösen, da der E-Commerce wesentlich durch das Einsparen von Filialbetriebskosten effizienter ist und in 2050 die technische Entwicklung dessen deutlich vorangeschritten ist.[8]

Welche Branchen gibt es noch im Handel? Welche sind weggefallen? Welche sind neu dazugekommen?

Der Online-Handel wächst stetig! Immer weniger Menschen gehen in die Geschäfte, da es einfach bequemer und weniger Zeitaufwendig ist Dinge wie z.B. Kleidung. online zu bestellen. Dadurch dass der Online-Handel extrem wächst wird er sich auch noch deutlich verändern und verbessern bis 2050. Die Geschäfte werden ihre eigenen Zusteller haben und dadurch werden die Kunden Möglichkeiten, wie eine sofortige Anprobe des Kleidungsstücks und dessen Rückgabe bekommen. Heutzutage existieren noch Zweifel bei den Kunden, online Produkte zu bestellen, beispielsweise wegen der Unsicherheit was Größen und Farben betrifft. Im Jahr 2050 gehört dass durch „Same Day Delivery“ und „Argumented Reality“ (Virtuelle Anprobe) der Vergangenheit an.

Im Lebensmittelhandel wird sich der Fortschritt auch erkenntlich machen. Wie Kleidung, werden auch Lebensmittel bestellt und am selben Tag zugestellt, aber so kann man nicht alles „liefern“ was der Kunde braucht und will. Fast 90 Prozent der Deutschen sind sich sicher, dass es auch 2050 noch Ladengeschäfte gibt. „Das zeigt eine repräsentative Studie des Location Based Service Anbieters Gettings, durchgeführt von Goldmedia Custom Research.“ Eins ist sicher, der Online- und Offline-Einkauf wird zukünftig stärker miteinander verwoben sein.[9]

Tankstellen werden im Jahr 2050 der Vergangenheit angehören, da alle Automobile sowie fast alle andere Transportsysteme ausschließlich mit Strom oder alternativen Antriebskonzepten betrieben werden. Optiker werden den Prognosen nach auch verschwinden, da man mithilfe von Implantaten die Sehstärke wiederherstellen kann. Apotheken werden auch komplett vom Online-Handel geschluckt (um Ansteckungen zu minimieren).

Der technologische Fortschritt wird die gesamte Wertschöpfungskette transformieren. Von Mixed Realities und dem Internet der Dinge über Künstliche Intelligenz bis zur Neurotechnologie rekonfigurieren neue Treiber den Konsum. Von dem, was wir heute als Produkte, als Läden und als Handel kennen, wird dereinst nicht mehr viel übrig sein. Zwar werden Menschen weiterhin physische Grundbedürfnisse durch Waren befriedigen. Doch die Art, wie Begehrlichkeit für diese Waren geweckt, durch welche Lieferkette sie geschleust werden und wie sie zum Konsumenten gelangen, verändert sich grundlegend“.[10]

Quellen


[1] https://www.ladenbau.de/blog/supermarkt-der-zukunft-so-shoppen-wir-2050/

[2] Exponentielles Wachstum • Definition und Beispiele · [mit Video] (studyflix.de)

[3] Netzwerkeffekte • Definition | Gabler Wirtschaftslexikon

[4] Die Welt 2050: Wie werden wir in Zukunft leben? | 21 grad (vaillant.de)

[5] Heinemann, G. (2017), Die Neuerfindung des stationären Einzelhandels, Springer

[6] https://www.ifhkoeln.de/rekordjahr-online-onlineumsatz-2020-deutlich-ueber-80-mrd/

[7] https://de.statista.com/statistik/daten/studie/3979/umfrage/e-commerce-umsatz-in- deutschland-seit-1999/

[8] Gläß, Rainer (2017), Handel 4.0 – Die Digitalisierung des Handels, Springer

[9] https://www.e-commerce-magazin.de/gettings-studie-auch-2050-wird-es-ladengeschaefte-geben/

[10] https://www.bbwmarketing.de/handelsstudien/langfristiger-wandel-im-handel-2030-  2050/langfristiger-wandel-im-handel-2030-2050/

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