Einkauf: Neues Zeitalter durch Digitale Technologien?

Veränderte Konsumentenverhaltensweisen sowie ein stetiger Fortschritt an Technologien und der Digitalisierung stellt den traditionellen Einkauf vor neue Herausforderungen.

Wie wird die Digitalisierung im Einkauf eingesetzt? Werden zukünftig nur noch Chatbots Verhandlungsgespräche mit Lieferanten führen? Dienen Technologien nur als Unterstützung um den Alltag von Einkäufern zu vereinfachen oder werden Mitarbeiter durch diese in Zukunft überflüssig?

Wir haben uns damit beschäftigt, welche Innovationen und Technologien in Zukunft an Bedeutung gewinnen werden und wie man diese im Einkauf unterschiedlicher Unternehmen anwenden kann. Zudem haben wir uns die Frage gestellt welchen Mehrwert diese dem Nutzer und dem Unternehmen bietet. Um dies genauer untersuchen zu können, wurden vorab diverse Innovationen wie Plattformen, Automatische Planogramme oder Big Data recherchiert und zusammen mit unseren Experten, die sich mit den Vorgängen und den Technologiestandards im Einkauf auskennen, besprochen und teilweise sogar ergänzt. Abschließend wurden die finalen Technologien nach ihrer Priorität bzw. der Bedeutung in der Zukunft bewertet.

Zu den Experten zählten ein Professor der DHBW Heilbronn, eine Referentin des Bundesverbands Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik und ein Geschäftsführer eines großen Lebensmittelhändlers.

Im Blogbeitragen werden folgende Technologien im Bereich Einkauf erläutert:

Datenanalysen im Einkauf: Werden Einkäufer zukünftig Datenanalysten?

In Zeiten der Digitalisierung kommt es immer häufiger zu neuen Technologien, welche bahnbrechende Wettbewerbsvorteile mit sich bringen sollen. Einer dieser Technologien nennt sich Big Data. Big Data ist im Allgemeinen keine revolutionäre Technologie, sondern stellt bereits vorhandene Daten zum Vorteil eines Unternehmens dar. Mit Big Data ist die riesige Datenmenge gemeint, welche Unternehmen in der heutigen Zeit häufig überfordern. Vielmehr geht es hierbei darum, was man mit den gesammelten Daten macht. Unternehmen können mithilfe dieser Datenmenge Erkenntnisse gewinnen, Analysen durchführen und dadurch sehr wichtige Entscheidungen für das Unternehmen treffen.

Aber nun genug von den technischen Aspekten. Welche Vorteile birgt das Nutzen solch riesiger Datenmengen zur Datenanalyse für den Einkauf in Unternehmen? Können Einkäufer mit Big Data entlastet werden und sich somit auf wichtigere Dinge fokussieren? Zuerst muss hierbei kurz erläutert werden, dass Einkäufer im beruflichen Alltag weniger mit Datenanalysen zu tun haben. Dies ist meist den Controllern oder Einkaufsleitern vorbehalten. Möchte man Big Data im Einkauf einführen, so müssen seitens der Einkäufer viele Dinge erlernt werden, wie beispielsweise Daten richtig zu strukturieren und zu analysieren oder auch herauszufinden welcher Nutzen aus den Daten gezogen werden kann. Dieses Knowhow ist noch nicht in allen Unternehmen vorhanden und das Thema Big Data im Einkauf steckt meist noch in den Kinderschuhen.

Anwendungsbeispiele gibt es in der Praxis mittlerweile sehr viele. Das große Probleme in Unternehmen und somit auch für den Einkauf ist, dass die unternehmensinternen Daten oftmals ungeordnet abgelegt werden und somit weitere Datenanalysen erschweren. Dieser Problematik kann mithilfe von Big Data entgegengewirkt werden. Big Data beschreibt die Zusammenfassung aller digitalen Daten im Unternehmen, auf die die einzelnen Abteilungen jederzeit zurückgreifen können, die zur Erstellung von unterschiedlichen Analysen und als Basis für weiterführende Unternehmensentscheidungen dienen sollen. Voraussetzung hierfür ist die Digitalisierung eines jeden Arbeitsschrittes im Unternehmen.

Als Anwendungen sind hier die große Auswahl an Möglichkeiten der Datenanalyse und -strukturierung zu nennen. Dabei können folgende Prozesse verbessert werden: Trendanalysen von Preis- und Nachfrageentwicklungen, Bestelltiming, Aufdeckung von Doppelzahlungen, Abbau von Lieferkettenrisiken oder auch Monitoring und Auswertung von Einkaufsprozessen. Dies sind nur einige der Verbesserungsmöglichkeiten, welche durch Big Data resultieren können. Die genannten Beispiele sollen verdeutlichen, wie breit gefächert Big Data in Unternehmen Anwendung findet.

Die folgende Abbildung zeigt, dass die Unternehmen vermehrt erkennen, dass Big Data in Zukunft immer wichtiger für sie sein und vielseitig Anwendung finden wird. Diese Abbildung wurde auf Basis einer Befragung der BME-Mitglieder (Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik) erstellt.

Viele Unternehmen, vor allem auch Handelsunternehmen, können Big Data jedoch zu ihrem Vorteil nutzen. Nahezu alle Handelsunternehmen haben bereits ein bestehendes ERP-System, womit riesige Datenmengen gespeichert werden können. Diese Daten gilt es jedoch richtig zu nutzen. Hier geht man davon aus, dass sehr wichtige strategische Entscheidungen durch die richtige Strukturierung abgeleitet werden können. Im Vorfeld sollte auf jeden Fall eins klar sein: Wer Big Data für sich nutzen möchte, muss sich im vornherein bewusst sein, welche Sinnhaftigkeit durch diese Technologie erreicht werden soll. Dies ist im Hinblick darauf zu verstehen, dass keine adäquaten Rückschlüsse ohne das genaue Abstecken von Zielen gezogen werden können.

Betrachtet man die zukünftige Relevanz von Big Data, wird schnell klar, dass nahezu jedes Unternehmen sich früher oder später mit Big Data beschäftigen muss. Die Unmengen an Daten, welche jeden Tag durch interne und externe Quellen entstehen, beinhalten so viele Informationen, aus denen strategische Entscheidungen getroffen werden können. Auf dem Markt können somit erhebliche Wettbewerbsvorteile entstehen, welche so essenziell für Unternehmen sind, dass sie kaum daran vorbei kommen Big Data zu nutzen. Aus den oben genannten Gründen und dem enormen Erfolgspotenzial wird diese Technologie von den befragten Experten auf Platz 1 gesehen.

Quellen:

B2B-Verkäufe mithilfe einer zentralen Lieferantenplattform: Chance für kleine und regionale Unternehmen?

Aktuell gibt es zahlreiche Verkaufsplattformen im Internet auf denen Unternehmen Produkte anbieten, um diese im Anschluss an die Endkunden (B2C) weiter zu verkaufen. Beispiele für solche online Shopping Plattformen sind Amazon, Zalando und Otto. Diese Plattformen verkaufen Produkte im eigenen Namen und bieten zusätzlich das Angebot eines Marktplatzes an, welcher anderen Unternehmen die Chance ermöglicht, ihre Produkte auf den Plattformen bzw. Marktplätzen zu verkaufen. Doch was genau hat diese Innovation mit der Einkaufsabteilung eines Unternehmens zu tun und wie kann der Nutzen auf diese übertragen und erweitert werden?

Hier kommt die Plattform für B2B Verkäufe ins Spiel. Dabei handelt es sich hauptsächlich um ein Geschäft zwischen einem Lieferanten und einem Handelsunternehmen. Aufgrund der veränderten Nutzergruppen von B2C zu B2B müssen die Anforderungen an solche Plattformen differenziert betrachtet werden, da die Lieferanten sich hierbei gegenüber Handelsunternehmen und nicht wie bei der ursprünglichen B2C Plattform gegenüber den Kunden präsentieren müssen. Zudem sollte angemerkt werden, dass die Technologie keine direkte Neuerfindung darstellt, sondern vielmehr eine Weiterführung von bestehenden Technologien auf andere Geschäftsfelder ist (B2B Plattform im Handel).

Im alltäglichen Handelsgeschäft steht die Lieferantensuche von regionalen und kleinen Lieferanten fast schon an der Tagesordnung. Diese Aufgabe erweist sich oft als sehr zeitintensiv je höher die Anforderungen und die Kriterien sind.

Beispielsweise muss der Einkäufer – bei der Einführung einer neuen Bio Vertriebsschiene – die geeigneten Lieferanten inklusive des vorhandenen Produktangebots und Adressdaten manuell im Internet heraussuchen, um diese bei potentiellem Interesse kontaktieren zu können.

Genau diesen aufwändigen Suchprozess auf Einkäuferseite soll eine Plattform in Zukunft vereinfachen und infolgedessen Vorteile sowohl auf Lieferantenebene als auch auf Unternehmensseite schaffen. Vor allem kleinere Lieferanten würden dabei unterstützt werden, sich als regionaler Lieferant mit ihrer Unternehmensphilosophie präsentieren und zudem ihr Profil mit ihrer Produktauswahl ergänzen zu können. Dadurch muss nicht jeder Lieferant den Händler direkt kontaktieren und ist trotzdem bei diesem präsent.

Für die Einkäufer der Handelsunternehmen bietet die Plattform den Vorteil, kleinere Lieferanten gebündelt auf einer Plattform vorzufinden, ohne den Zeitaufwand zu haben diese extra kontaktieren zu müssen. Dadurch würde die bereits angesprochene manuelle Suche im Internet zukünftig wegfallen und dem Einkäufer hierdurch Aufwand erspart.

Plattformen wie diese werden bereits in anderen Ländern aktiv genutzt und auf dem Markt angeboten. Ein Beispiel hierfür ist Europages oder Alibaba. Diese weisen eine sehr große Anzahl an Herstellern/ Lieferanten, Großhändlern von verschiedenen Branchen und Ländern auf und ersparen somit Unternehmen und potenziellen Lieferanten den vorab beschriebenen Anfrage- und Suchprozess. Diese Möglichkeit kann auch auf den Handel in Deutschland übertragen werden und beispielsweise mithilfe eigener Händlerplattformen bei EDEKA oder REWE umgesetzt werden. Dies könnte auch in Deutschland den aufwändigen Sourcing-Prozess von Lieferanten in ein neues Technologiezeitalter bringen.

Allgemein wird die Zeitersparnis für die Lieferanten und die Handelsunternehmen durch die Plattform ein ausschlaggebendes Argument für die zukünftige Nutzung darstellen. Außerdem werden aufgrund fortschreitender Digitalisierung im Handel, der Ausweitung von Netzwerken sowie der Schnelllebigkeit von Unternehmen, Plattformen in Zukunft weiterhin an Bedeutung gewinnen. Hierbei ist es essentiell wichtig – durch ständige Überarbeitungen der Benutzeroberfläche – solche Plattformen bestmöglich an beide Nutzergruppen anzupassen, um den größtmöglichen Nutzen daraus ziehen zu können. Aus diesen genannten Gründen haben unsere Experten diese Technologie auf Platz 2 gesehen.

Quellen:

Automatische Planogrammerstellung: Eine Software – viele Anwendungsfelder

Bei dieser Technologie kann REWE als Pionier genannt werden. Die Geschäftsführung hat sich durch die automatische, filialspezifische Planogrammerstellung das Ziel gesetzt, das Einkaufserlebnis für den Kunden zu verbessern, den Warenumschlag am Point of Sale sowie die Effizienz auf der Fläche zu steigern.

Aber was genau ist eigentlich die automatische Planogrammgestaltung? Um das zu verstehen, fangen wir damit an, wie es bisher in Unternehmen gehandhabt wird. Die unternehmensinterne Category Management Abteilung, welche aufgrund der starken Kooperation zum Einkaufsbereich dazugezählt wird, erstellt auf Basis der Abverkaufszahlen, der Laufrichtung, der Ankermarken und der Artikeldaten für jeden Regalmeter ein optimales Sortiments-Layout mit einer optischen Darstellung für den Point of Sale. Dieser Vorgang wird durch eine Software wie beispielsweise RELEX nun ersetzt und ermöglicht so den Einzelhändlern eine ganz individuelle Planogrammgestaltung. Diese orientiert sich ebenfalls an Abverkaufszahlen, an der Platzierung von Marken-/ Eigenmarken- und Ankermarken-Produkten sowie an einem möglichen lokalen Zusatzsortiment und lokalen Regalaufbauten des Händlers. Um jedoch die Software fehlerfrei anwenden zu können, muss vorab ein erheblicher Aufwand betrieben werden. Ziel ist es, Planung und Praxis in Einklang zu bringen und den Händlern einen langfristigen Zusatznutzen garantieren zu können.

Aber welchen Mehrwert erzielt diese Innovation sowohl für die Nutzer als auch für die Unternehmen und die Einkaufs-Abteilungen? Für die Kunden besteht der größte Nutzen in der Steigerung des Einkaufserlebnisses und der Kundenbedürfnisse, da das Regal nach Ihren „Wünschen“ und Kaufverhaltensweisen mithilfe der Software geplant wird. Dies wiederum fördert die Kundenzufriedenheit sowie die Kundenbindung an ihr Unternehmen. Neben der Kundenzufriedenheit erhöht eine Automatisierung der Planogrammgestaltung auch umsatzspezifische Kennzahlen wie den Warenumschlag, Absatz, Abschriften und Umsatz in den Filialen. Zudem können Planogramme individuell an die Märkte angepasst werden und ersparen dem Einrichtungsteam Zeit gegenüber standardisierten Programmen, da sie nicht mehr aufgrund von individuellen baulichen Gegebenheiten so viel improvisieren müssen.

Mittlerweile findet diese Innovation bereits beim Lebensmittelhändler REWE Anwendung. Aufgrund der Anforderung an eine höhere Kundenzufriedenheit, an ein verbessertes Einkaufserlebnis sowie dem Streben nach einem wachsenden Umsatz, wird die Technologie – laut unserer Experten – sowohl im Lebensmitteleinzelhandel als auch in anderen Branchen wie Drogeriemärkten, Bücherläden oder Kaufhäusern weiter an Bedeutung sowie an Anwendungsfeldern gewinnen, weshalb diese Innovation von unseren Experten auf Platz 3 gesehen wird.

Quellen:

Chatbot im Einkauf: Wird in Zukunft der Einkäufer ersetzt?

Kaum eine Technologie ist derzeit so in aller Munde wie die Künstliche Intelligenz. Chatbots, die selbständig Konversationen oder Verhandlungen führen, sind immer wieder in den Medien. KI soll somit die Einkaufsabteilung vieler Unternehmen unterstützen und revolutionieren. Wie dies funktionieren soll und welche Tätigkeiten KI realistisch gesehen in Zukunft ersetzen kann, wird im folgenden Beitrag erläutert.

Der Einsatz von KI-Bots wird derzeit sehr intensiv erforscht. Viele große Unternehmen, wie beispielsweise Facebook, haben bereits eine Verhandlung mit zwei KI-Bots demonstriert. In diesem Beispiel hatten beide Bots gewisse vordefinierte Vorlieben bei einer Verhandlung um verschiedene Produkte. Mit diesem Experiment sollte herausgefunden werden, ob für beide Seiten optimale Ergebnisse erlangt werden können. Jedoch scheiterte dies, da die Bots grammatikalisch nicht mehr verständlich waren und diese nur noch untereinander kommunizierten. Geschieht dies in einer realen Verhandlung eines Händlers, wäre das fatal. Handelsunternehmen profitieren oftmals von langjährigen Lieferantenbeziehungen, wobei sich die Verhandlungspartner ebenfalls schon sehr lange kennen.

Ein Positivbeispiel aus der Praxis bietet hierbei der weltweit größte Händler „Walmart“. Dieser schloss ein Vertrag mit dem Unternehmen „Pactum“, welches sich auf Geschäftsverhandlungen mit KI spezialisiert hat. Dieser Vertrag ist bahnbrechend für die Innovation KI mit Händlern. Der Marktführer automatisiert mithilfe von „Pactum“ große Teile seiner Verhandlung des weltweiten Lieferantennetzwerks. Laut verschiedenen Recherchen des Unternehmens KPMG gehen durch ineffiziente Verträge bis zu 40% des Wertes verloren. Walmart sieht hierbei große Potenziale zur Kosteneinsparung, welche beispielsweise durch den KI-Chatbot erzielt werden können. Dieser kommuniziert automatisiert mit den verschiedensten Long-Tail Lieferanten von Walmart, um so veränderte Umstände der Verträge neu zu verhandeln. Der große Vorteil hierbei ist, dass Walmart ein riesiges Netz dieser Lieferanten vorweisen kann, so dass es für diese Lieferanten schwierig ist als Person, Kontakt mit Walmart aufzunehmen und somit der KI-Chatbot für beide Vertragspartner gewinnbringend ist. Zudem werden durch „Pactum“ gleichzeitig alle geänderten Vertragsbedingungen automatisch im bestehenden ERP-System gepflegt.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass alle Technologien durchaus möglich wären, aber die Akzeptanz der Unternehmen und Lieferanten noch äußerst gering ausfällt. Kein Unternehmen möchte einen großen Lieferanten verlieren, nur weil eine KI falsch gehandelt hat oder der Gegenübersitzende es als respektlos ansieht, dessen Mimik und Gestik zu analysieren. Trotzdem wird sich die KI immer weiter entwickeln, was dazu führen kann, dass früher oder später eine Einführung auch in der Einkaufsabteilung für realistisch angesehen wird. Walmart ist gerade Vorreiter und möglicherweise können sich andere große Händler ein Beispiel daran nehmen und ebenfalls mehr in KI investieren. Zudem sollte man den Aspekt betrachten, dass Walmart mithilfe des KI-Chatbots hauptsächlich seine tausende Long-Tail Lieferanten bedient. Lieferanten wie Nestle oder Unilever werden wohl kaum Vertragsverhandlungen mithilfe eines Bots führen. Somit wäre der KI-Chatbot für viele eher kleinere Lieferanten geeignet, wie bereits „Walmart“ dies mit seinen eher kleineren Lieferanten durchführt. Die Experten rankten diese Technologie hinsichtlich der oben genannten Gründe auf Platz 4.

Quellen:

Cloud im Einkauf: Herrscht in Zukunft nur noch passive Kommunikation zwischen Einkäufern und Lieferanten?

Unter Cloud Computing versteht man die internetbasierte Bereitstellung von Speicherplatz, Rechenleistung oder Anwendungssoftware als Dienstleistung. Bekannte Anbieter von Cloud-Plattformen sind „Amazon Web Services“, „Microsoft Azure“ oder auch „Google Cloud“.

Cloud-Netzwerke existieren bereits zwischen einigen Unternehmen und deren Lieferanten. Herr Prof. Dr. Rüschen, der an der DHBW Heilbronn lehrt, ließ in einem kürzlich mit ihm geführten Interview anklingen, dass „REWE eine solche Innovation bereits nutzt und sehr zufrieden mit dieser ist“. Allerdings sieht Herr Prof. Dr. Rüschen auch nicht genutztes Potenzial in derartigen Cloud Computing Systemen zwischen Einkäufern und Lieferanten und ist der Meinung, dass diese noch weiter spezifiziert werden sollten. Das Konzept der Cloud basierten Plattform stellt sich schon heute als besonders nutzerfreundlich dar: Ein Unternehmen beauftragt eine Software Firma eine Cloud zu erstellen, welche die Daten für die Plattform sichern und bereitstellen sollen. Jeder Lieferant bekommt einen Benutzernamen und legt selbst ein individuelles Passwort fest. Anschießend werden auf der Plattform einmalig bestimmte Informationen in eine von der Software-Firma festgelegten Maske eingetragen. Die Maske soll vor allem wesentliche Daten enthalten, wie den verhandelten Einkaufspreis, sonstige Einkaufskonditionen, den Produktionsstandort der Ware und ab wann es Bonuszahlungen oder Werbekostenzuschüsse gibt. Der Einkäufer, der ebenfalls Benutzerdaten für die Plattform hat, stellt seinerseits Informationen zur Verfügung. Diese Informationen werden täglich über das MDE Gerät direkt in die Cloud gespielt und können über die Plattformen abgerufen werden. So kann ein Lieferant, ohne mit dem Einkäufer aktiv kommunizieren zu müssen, jeden Tag den aktuellen Abverkauf, den Verkaufspreis, die Anzahl der reduzierten Artikel oder die Menge der abgeschriebenen Ware abfragen. Einkäufer und Lieferanten profitieren also in jedem Fall von solch einer Cloud basierten Lösung. Einige Unternehmen, darunter auch REWE, waren die letzten Jahre Vorreiter und haben so ein erfolgreiches Netzwerk mit ihren Lieferanten aufbauen können. Da einem Lieferanten täglich die aktuellen Informationen bereitstehen, kann er dem Händler Empfehlungen geben oder auch bei schlechtem Abverkauf von sich aus einen Werbekostenzuschuss anbieten.

Die bereits seit einigen Jahren bestehende Innovation soll zukünftig noch erweitert werden und damit die Einkäufer-Lieferanten-Beziehung nachhaltig verbessern. Hiermit soll die Kommunikation in Form von Mails oder Telefonaten deutlich reduziert werden, was sowohl für den Einkäufer als auch für den Lieferanten Zeitersparnis mit sich bringen würde. Aus diesem Grund sehen unsere befragten Experten die Technologie auf Platz 5.

Quellen:

Erstellen von Samples: Schicht für Schicht zum Produkt

Immer mehr Produkte werden schon heute mithilfe von 3D-Druckern erstellt. Hierbei werden die aus dem 2D-Drucker bekannten Materialien, Tinte und Tonerpulver, durch thermoplastische Kunststoffe, Harze, Metalle oder auch Verbundwerkstoffe (entstehen durch die Kombination zweier Materialien) ausgetauscht. Mit Hilfe dieser Technologie werden Abbildungen geschaffen, deren Größe und Maßstäbe man anpassen kann. Dies ermöglicht sowohl Miniaturabbildungen als auch 1 zu 1 Abbildungen. Hierbei werden mittels additiver Fertigung Materialien Schicht für Schicht übereinander oder auch nebeneinander aufgetragen, was ein dreidimensionales Objekt entstehen lässt.

Einen großen Vorteil bietet das Drucken von Samples für den Einkauf, da bereits heute eine Vielzahl an 3D-Drucker-Materialien existieren und immer mehr Nutzen finden. In der Zukunft wird es auch möglich sein mit Lebensmittel- oder Biomaterialien, die bisher noch nicht kommerziell frei verfügbar sind, drucken zu können. Durch die additive Fertigung spart man nicht nur wertvolles Material ein, sondern ermöglicht die Herstellung von sehr komplexen Formen, die vorher nicht oder nur schwer gefertigt werden konnten. Hierdurch lassen sich Prototypen oder Replikas erstellen, die sowohl funktional belastbar sind als auch ähnliche Eigenschaften aufweisen, wie das fertige Endprodukt selbst. Hierbei bestünde eventuell in naher Zukunft die Möglichkeit Muster mit gleicher Haptik wie das Endprodukt zu erstellen, sodass sich bereits der Einkäufer genaue Vorstellungen von den im Ausland gefertigten Produkten machen kann. Im Moment ist aufgrund des bisherigen wissenschaftlichen Fortschritts nur das Drucken von Verpackungen oder Nonfoodartikeln möglich.

Doch welchen Mehrwert schafft diese Innovation für den Nutzer oder für die Unternehmen? Das Drucken von Samples ermöglicht es den Einkäufern sich das Muster von den jeweiligen Produkten vor Ort ausdrucken und somit leichter Entscheidungen treffen zu können. Auch entfallen durch das Ausdrucken von Mustern vor Ort die Transportwege, Transportkosten und erspart beiden Nutzergruppen viel Zeit. Dies führt dazu, dass Unternehmen weniger von den Lieferanten abhängig sind, die zudem noch häufig im Ausland stationiert sind. Der Lieferant scannt einfach seine Ware ein, schickt die erstellte Datei der zugehörigen Einkaufsabteilung und kann im Nachhinein das Produkt vor Ort ausdrucken. Da ein 3D-Drucker eine einmalige Anschaffung mit langlebiger Nutzungsdauer ist, sind die langfristigen Kosten als eher gering anzusehen, was einen großen Mehrwert für die Zukunft des Unternehmens bietet. Des Weiteren ermöglicht das schnelle und vereinfachte „Zuschicken“ von Mustern eine schnellere und unkompliziertere Zusammenarbeit zwischen Einkäufern und Lieferanten.

Schon heute kommen 3D-Drucker in vielen Firmen und zunehmend auch in privaten Haushalten zum Einsatz. Das Unternehmen Ernst & Young (EY) hat eine Studie über die Akzeptanz von 3D-Druckern durchgeführt. Hierfür wurden 900 Unternehmen befragt, wovon 222 in Deutschland liegen. Ergebnis der Studie war, dass 63 Prozent der deutschen Unternehmen 3D-Druck verwenden. Somit ist zum Vergleich mit der vorangegangenen Befragung, die im Jahr 2016 stattfand, eine erhebliche Nutzensteigerung zu beobachten. Im weltweiten Vergleich wenden heutzutage bereits 65 Prozent der Unternehmen 3D-Druck-Technologien an. Die in der Studie befragten Unternehmen nannten die Fertigung von Prototypen mit dem Anteil von 38 Prozent, als einen Bereich, in dem man den 3D-Drucker einsetzen kann. Trotz der erwarteten Vorteile scheitert die Einführung von 3D-Druck vielfach noch am Geld. Hier liegen nämlich die Materialkosten und die Kosten für die Anschaffung recht hoch. Aus diesen genannten Gründen und aufgrund des momentan eingeschränkten Anwendungsfeldes im Einkauf wurde diese Technologie von unseren Experten auf Platz 6 gesehen.

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