Markthalle real – Innovatives Konzept, ungewisse Zukunft

Autoren: Lucas Hoffmann und Jonathan Utz

Die Real-Story

Es war einmal vor langer Zeit, da wurde durch den Zusammenschluss verschiedener Marktketten eine SB-Warenhauskette gegründet. Wir schreiben das Jahr 1992 als der Name Real zum ersten Mal über den Pforten eines Warenhauses erstrahlte. Doch die goldenen Jahre sollten nicht allzu lange anhalten. Bereits im Jahre 2000 musste sich der Mutterkonzern Metro eingestehen, dass die Profitabilität langfristig gesteigert werden musste, um das Fortbestehen zu sichern.

Dieses Problem zieht sich durch die komplette Historie. Und so blieb der schwächelnden Kette nichts übrig als sich zu verändern. Mit Blut, Schweiß und Tränen, sowie Investition in Höhe von 15 Millionen Euro (geschätzt), wurde der wohl letzte Versuch gestartet gegen den voranschreitenden Niedergang vorzugehen. Das Konzept Markthalle Real erblickte das Licht der Welt. Dieser „Marktplatz der Emotionen“ oder auch „Manufaktur des guten Geschmacks“ genannt, sollte das Überleben sichern. Knapp die Hälfte der real-Standorte sollte diesem Trend folgen – umgebaut wurden zwei (Krefeld und Braunschweig).

Das Konzept Markthalle

Es begab sich also zu der Zeit, dass eine Delegation der DHBW Heilbronn sich aufmachte, um die Markthalle in Krefeld voraussichtlich ein letztes Mal unter dem Namen Real zu besichtigen.

Was sie dort vorfanden erstaunte sie: anstatt trister Innenräume fanden sie eine einladende Obst- und Gemüseabteilung, ansprechende Restaurants auf edlem Betonboden und die Ware in schicken Holzregalen präsentiert vor. Die edle Aufmachung des SB-Warenhauses findet sich auch bei der Aktionsdarstellung wieder. Anstatt der aggressiven mit rot gedruckten Preisen, finden wir hier am Eingang die Preisauszeichnung der Werbeartikel handschriftlich auf Kreidetafeln niedergeschrieben.

Hervorzuheben sind besonders die ultrafrische Bereiche: neben der besagten O&G-Abteilung, finden sich hier unter anderem eine eigene Bäckerei, Kaffeerösterei, einladende Bedienungstheken für Fleische, Käse und Fisch, eine Wein-Schatzkammer, ein Dry Aged-Schrank sowie eine eigene Austernbar, bei der die Ware täglich frisch eingeflogen werden.

Die Restaurants, die einen Großteil der 1700m² großen Konzeptfläche einnehmen laden, sofern ein freier Platz gefunden wird, zum verweilen ein. Dabei werden verschiedene Pizzen oder Pasta aus eigener Herstellung, sowie verschiedene Fleischprodukte angeboten. Gerne darf hier der Kunde an der Fleischtheke das Stück seiner Wahl besorgen und es sich im Restaurant zubereiten lassen. Über Geschmack lässt sich sicherlich nicht streiten und so wurden die Steaks in allen Varianten, von medium rare bis well done serviert, aber leider nicht jedem Gast in der gewünschten Garstufe.

Diese Frischebereiche sind alle am Eingang des Marktes platziert, der Rest der 11500 qm² steht dem üblichem Real-Sortiment, also einer Mischung aus 80.000 Artikeln aus Food und Nonfood zur Verfügung. Dabei ist das Layout des Marktes sicherlich gewöhnungsbedürftig, da sich Nonfood im hinteren abgewandten Bereich befindet.  Als Konsequenz ist die Frequenz im Nonfood-Bereich wahrnehmbar gering (nur wenige Teilnehmer der Delegation verirrten sich dorthin) und die Umsatzanteile des Nonfood-Bereiches vermutlich sehr niedrig. Zudem wurde die Fläche, die dem Nonfood zu Verfügung steht von 37% der Marktfläche (normaler Realmarkt) auf 30% reduziert. Die Warenpräsentation ist dabei oftmals Warenhausähnlich. So wird mit Markenauftritten (z.B. bei Lego) gearbeitet und die Textilprodukte werden ordentlich gefaltet in Regalen dargeboten. Mit Tchibo wird das Shop-in-Shop Konzept umgesetzt.

Im Foodbereich bleibt die Markthalle dem Konzept eines SB-Warenhauses treu. Hier findet sich jeder Artikel, vom hochpreisigen bis zur Eigenmarke Tip, in verschiedensten Varianten und Verpackungsgrößen. Dem Kunden wird dabei die Orientierung mit großen Warengruppenschildern über den Regalen erleichtert. Zweitplatzierungen finden oftmals in mit Markthalle gebrandeten Holzkisten statt.

Neben den Restaurants und dem umfangreichen Sortiment, werden in der Markthalle verschiedene Events angeboten, wie zum Beispiel ein Beef Kochkurs, Backkurse, Craft Beer Tasting oder Trödelmarkt auf dem Parkplatz

Nach Tätigung der wöchentlichen Besorgung stehen dem geneigten Kunden zum Kaufabschluss 24 Kassen zur Verfügung, von denen zum Besuchszeitpunkt drei besetzt waren. Zudem gibt es acht Self-Checkout-Kassen.

Zahlen und Ausblick

Dieses Konzept nutzen pro Woche 20.000 Kunden und bringen dabei einen geschätzten Umsatz von 50 Millionen Euro. Für die Pflege des ansprechenden Designs, setzt Real in der Markthalle auf 250 Mitarbeiter; 75 mehr als vor dem Umbau.

Aber trotz allem Bemühen und einem innovativen Konzept, wird der Umsatz von knapp 300€, den die Markthalle mit der Delegation erzielte, nicht ausreichen, um nachhaltig etwas zu verändern und so wird die Geschichte zeigen, wer nach dem Verkauf der Metro, der neue stolze Besitzer der Real-Markthalle werden wird.

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