AmazonFresh – Wirklich so Fresh?

Bereits im Jahr 2007 hat der Internet-Gigant Amazon damit begonnen, in den Food-Markt in den USA einzuziehen. Mit nahezu 180 Milliarden Dollar Umsatz im Jahr 2017, ist Amazon einer der größten Online-Händler der Welt und wurde in Deutschland sogar zum besten Online-Händler gekürt. Am 04.05.2017 hat Amazon seinen Lebensmittellieferdienst AmazonFresh in Teilen von Berlin und Potsdam ausgerollt. Nach einer Erweiterung der Liefergebiete auf Hamburg & München, zeigt die erste Bilanz, ein Jahr nach Start des Lieferservice, ernüchternde Ergebnisse.

Deutschland ist ein kompliziertes Land, wenn es um die Möglichkeit geht, Lebensmittel online zu bestellen. Dennoch bemühen sich einige Unternehmen, so auch Amazon mit dem Lebensmittellieferservice Fresh, darum, die Potentiale des deutschen Marktes zu erschließen. Um die Faktoren, Preis, Sortiment, Kommunikation, Logistik und Einkaufserlebnis bewerten zu können, haben wir, vier Studenten der DHBW Heilbronn, den Lebensmittel-Lieferdienst AmazonFresh unter die Lupe genommen mit einem Test-Warenkorb.

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Nun stellt sich also die Frage: Wie fresh ist Amazon Fresh wirklich?

Autoren: Jaqueline Hornung, Tobias Kral, Lena Schmitz und Benjamin Steinsulz

Knallerpreise oder doch ein teurer Spaß?

Für den Test-Warenkorb haben wir in Summe 38,51 Euro bezahlt. Damit liegt der Gesamtpreis des Warenkorbes, verglichen mit sechs anderen Anbietern, lediglich auf Platz 6. Der Preis des Testsieger-Warenkorbes liegt bei 22,07 Euro PicNic, gefolgt von einer Warenkorbsumme um 26,04 Euro Edeka Ueltzhöfer. Somit ist AmazonFresh was den Preis des Gesamt-Warenkorbes betrifft eher ein teurer Spaß, als ein Schnäppchen. In der Einzelbetrachtung der Artikelpreise liegt AmazonFresh zumeist im Mittelfeld. Bei 6 Artikeln des Warenkorbes sticht AmazonFresh als günstigster Anbieter heraus. Der günstigste Artikel im Vergleich zu den anderen Anbietern ist eine Kiste Wasser zum Preis von 2,49 Euro.  Einige Artikel können zu wirklichen Knallerpreisen ergattert werden, im Vergleich erweist sich unser Test-Warenkorb allerdings als teurer Spaß.

Produktvielfalt oder mangelnde Auswahl? Das Sortiment unter der Lupe.

Mit insgesamt über 85.000 Artikeln bietet AmazonFresh ein umfangreiches Sortiment an und bedient die volle Breite. Im direkten Vergleich, der den getesteten Warenkorb umfasst, belegt AmazonFresh in der Sortimentstiefe den ersten Platz. Je Produkt besteht eine Durschnitts-Auswahl von 89,5 verschiedenen Artikeln. Besonders sticht Rotwein heraus. Der AmazonFresh-Kunde hat hier eine Auswahl von über 1.000 Artikeln. Nachteil ist das Fehlen von Eigenmarken, welche von anderen Anbietern im Sortiment geführt werden. Aufgrund der starken Sortimentstiefe hat der Kunde allerdings genügend Alternativen zur Auswahl. Was die Auswahl von Bio-Artikeln angeht, gewinnt Amazon ebenfalls in unserem Test. 12 von 15 der bestellten Artikel sind bei AmazonFresh in der Bio-Variante vorhanden.
Zusammengefasst bietet AmazonFresh eine große Produktvielfalt und schneidet in der Kategorie Sortiment gut ab.

Welche Kanäle nutzt der Online-Gigant?

AmazonFresh ist ein reiner Online-Händler, Filialen oder stationäre Anlaufstellen sind nicht vorhanden. Die angebotenen Kanäle, Webseite  und Mobile-App, sind intuitiv bedienbar, funktional und nutzerfreundlich gestaltet. Der Warenkorb lässt sich schnell und einfach zusammenstellen.

Das Herantreten an die potentiellen Kunden erfolgt lediglich über Social-Media-Kanäle wie Facebook, Twitter und Instagram. Die Gesamtzahl der Follower aller Plattformen addiert beträgt 92,800. Betrachtet wird allerdings lediglich die Präsenz von AmazonFresh, nicht Amazon als Solches. Mit dieser Anzahl an Followern liegt AmazonFresh in unserem Vergleich auf Platz 2.

Desweiteren hat AmazonFresh einige Service-Leistungen wie Produktbewertungen, periodische Lieferungen, Informationen zu Inhaltsstoffen, Servicehotline, Produktverfügbarkeitsanzeige und Empfehlungen zu Ergänzungskäufen und integriert diese auf den hauseigenen Kanälen.

Kann Amazon-Fresh Logistik?

Die Bestellung bei AmazonFresh erfolgt ohne Mindestbestellwert. Bis zu einer Summe von 40 Euro betragen die Versandkosten 5,99 Euro. Bestellungen über 40 Euro sind versandkostenfrei. Die Lieferung der Bestellungen erfolgt Montag bis Samstag täglich von 8 bis 22 Uhr. Die Lieferung kann seitens des Kunden auf ein zwei stündiges Zeitfenster begrenzt werden. AmazonFresh bietet Same-Day-Delivery an. Auch zusätzliche Serviceangebote, wie beispielsweise das Auswählen eines Wunsch-Ablageortes, bietet AmazonFresh seinen Kunden an.

Das Einkaufserlebnis – Top oder Flop?

Die intuitive Bedienung der Plattform hat für ein schnelles Warmwerden mit AmazonFresh gesorgt. Alles in Allem ist der gebotene Service, die Produktvielfalt und auch das Preisniveau als mittelmäßig bis gut einzuordnen. Die Bestellung funktioniert problemlos und ist dank Same-Day-Delivery wenige Stunden nach der Bestätigung bereits ausgeliefert.

Ein großer Nachteil von Amazon-Fresh ist die Verfügbarkeit. Lediglich die Gebiete Berlin, München und Hamburg werden seitens des Lebensmittellieferdienstes abgedeckt.  Es bleibt abzuwarten, inwiefern sich der Online-Riese zukünftig in dem deutschen Markt etabliert. Zum Ende bleibt die Frage offen: Wird AmazonFresh es schaffen, ganz Deutschland für sich zu gewinnen? Wenn ja, wann?

Sämtliche Quellen sind direkt in den Text eingebunden. Keine weiteren Quellen verwendet.

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