Ist allyouneedFresh wirklich all you need?

Autoren: Mario Bauer, Klara Held, Chiara Männel und Daria Waffenschmidt

„… all you need is love…“[2] diesen populären Songtext der Beatles kennt wohl jeder.

Liebe geht bekanntlich durch den Magen – deswegen möchte der deutsche Onlinelebensmittelhändler allyouneedfresh.de diese Möglichkeit nun für sich nutzen und den Markt erobern. Das 2011 gegründete[3] und in Berlin ansässige[4] Unternehmen prognostizierte für das Geschäftsjahr 2017 einen Gesamtumsatz von 35 Mio. bis 40 Mio. €.[5]

Bei einem Marktvolumen von 153,1 Mrd. € im deutschen Lebensmitteleinzelhandel[6], ist es somit eher ein kleiner Fisch im Haifischbecken, umgeben von einigen großen stationären Playern, wie der Edeka-Gruppe, der Schwarz-Gruppe oder Aldi.[7]

Unter Betrachtung der fortschreitenden Digitalisierung könnte sich dieses Verhältnis allerdings in den nächsten Jahren ändern. Zwischen 2015 und 2017 ist der Anteil der Personen, welche Lebensmittel im Internet bestellen, bereits von 11% auf 21%, um 10 Prozentpunkte, gestiegen.[8]

Ist die Zukunft digital?

Fakt ist, dass knapp 10% der deutschen Haushalte bereits heute mindestens einmal in der Woche Lebensmittel online bestellen – Tendenz steigend.[9] Der Anteil des Gesamtumsatzes im Lebensmitteleinzelhandel übersteigt die 1% Grenze bis dato jedoch nicht.[10] Konsumenten bevorzugen beim stationären Einkauf vor allem die hohe Geschäftsdichte, die preisliche Ersparnis und die Frischeaspekte.[11] Beim Onlineeinkauf überzeugen hingegen die direkte Lieferung nach Hause, die Flexibilität und die große Auswahl.[12]

Ob der E-Commerce den stationären Lebensmitteleinzelhandel eines Tages ersetzten wird, ist ungewiss und diese Entwicklung bleibt mit Spannung zu erwarten. Handelsexperte Markus Mosa beurteilt dies skeptisch und räumt dem digitalen Handel als Vollversorger nur geringe Chancen ein.[13] Basierend auf Ergebnissen der Marktforschung finden es 87% der Kunden im Handel dennoch wichtig, dass das Unternehmen digital auf dem neuesten Stand ist.[14]

Hierzu zählen unter anderem freies WLAN am Point of Sale, Kunden-Apps, welche sowohl zur Informationsbeschaffung, als auch zur Instore-Navigation genutzt werden können, digitales Marketing und Cross-Channel Ansätze.[15]

Trotz den zahlreichen Herausforderungen des Lebensmittelonlinehandels verspricht der Händler allyouneedfresh.de mit seinem Namensslogan, potenziellen Kunden all das bieten zu können, was sie brauchen. Doch:

Ist allyouneedfresh.de wirklich all you need?

Im Folgenden werden die Ergebnisse einer Untersuchung im Rahmen der Vorlesung Cross Channel an der DHBW Heilbronn, dargestellt. Hierbei wurden sieben Onlinelebensmitteleinzelhändler in verschiedenen Rubriken miteinander verglichen und anhand eines Einkaufszettels eine gemeinsame Vergleichsbasis geschaffen. Ziel war es einen Warenkorb zusammenzustellen, in welchem Zutaten für Spaghetti Bolognese und einen Nachtisch vorhanden sind.

Sortiment

Im Sortiment des Onlinehändlers allyouneedfresh.de finden sich beinahe alle Warengruppen, die auch im stationären Lebensmitteleinzelhandel vorhanden sind. Die einzige Ausnahme stellt Non-Food Ware, wie etwa Textilien und Elektronik, dar. Ergänzt wird das Food Sortiment jedoch durch Near-Food Artikel im Drogeriebereich. Anzumerken ist, dass es für die von uns getestete Region Heilbronn keine Möglichkeit gibt, kühlpflichtige Produkte zu bestellen. In unsere Fall müssen die gewünschten Spaghetti Bolognese somit kreativ zu Spaghetti mit Tomatensoße geändert werden und zum Nachtisch gibt es nun eben Schokosoße ohne Vanilleeis; ).

Dennoch schneidet allyouneedfresh.de im Vergleich mit den getesteten Händlern sehr gut ab, da nur bei zwei anderen Händlern alle gewünschten Produkte vorhanden waren. Wichtig ist allerdings zu wissen, dass für amazonfresh.com die Region Berlin getestet wurde, da nur dort die Bestellung möglich ist. Allyouneedfresh.de hätten in diesem geographischen Umkreis die gekühlten Produkte ebenso liefern können.

Davon abgesehen, lässt sich das gesamte Sortiment als breit und flach, in manchen Rubriken als tief, spezifizieren. Auffällig war die große Auswahl an Obst und Gemüse, zahlreiche Bio und Demeter Produkte im gesamten Sortiment und ein breites Spektrum an Drogerieartikeln. Im Vergleich zu den anderen untersuchten Onlinehändlern ist das Sortiment stark ausgeprägt, lediglich mit dem Pionier amazonfresh.com kann allyouneedfresh.de nicht mithalten. Ähnlich wie aus dem stationären Handel bekannt, bietet allyouneed.de seinen Kunden zudem wöchentlich wechselnde Sonderangebote und Aktionen an.

Preis

Preislich liegt der zusammengestellte Warenkorb mit 43,93€ leicht unter dem Durchschnitt. Im Test war der Einkauf von gourmondo.de mit 71,40€ am Teuersten, amazonfresh.com war wie erwartet am Günstigsten. Die übrigen vier Händler befanden sich in einem ähnlichen Preisspektrum wie allyouneedfresh.de. Auffällig ist, dass im Obst und Gemüse Bereich der Händler nicht nur eine große Auswahl bietet, sondern diese auch zu verhältnismäßig niedrigen Preisen. Zudem war beim Gesamteinkauf das Verhältnis von teuersten und günstigsten Artikeln nennenswert positiv.

Kommunikation

Im Punkto Marketing begrenzt sich allyouneedfresh.de auf das Onlinegeschäft. Hierfür werden als Kommunikationskanäle beinahe alle Social Media Möglichkeiten genutzt. Neben Facebook, Twitter und Instagram, profiliert sich allyouneedfresh.de sogar gegen amazonfresh.com durch den Auftritt auf Xing und YouTube. Die Aktivität der User ist in Summe, nach edeka24.de, ebenso am Höchsten. Jedoch nutzt der Händler noch nicht das vollständige Potenzial, da nur unregelmäßig Posts erscheinen und diese wenig plakativ sind. Dennoch ist eine positive Entwicklung auf der Social Media Plattform Facebook zu verzeichnen.

Revolutionär ist zudem die Möglichkeit, eine Bestellung über WhatsApp aufgeben zu können. Ebenso hervorzuheben ist, dass bei der Bestellung über die Homepage bereits nach wenigen Minuten ein Chatfenster aufpoppt und gefragt wird, ob Hilfe benötigt wird. Eine Antwort wurde beim Testen bereits nach kurzer Wartezeit gegeben und war hilfreich.

Allyouneedfresh.de bietet zudem eine App für mobile Endgeräte von Android. Glaubt man den Bewertungen im Playstore bietet diese den Usern allerdings keine zufriedenstellende Anwendung.

Logistik

Als letzte Rubrik wurde in diesem Vergleich die Logistik betrachtet. Bei allyouneedfresh.de steht für die letzte Meile eine Lieferung über den Dienstleister DHL, in einem wählbaren Lieferfenster von zwei Stunden zwischen 18-22 Uhr, zur Verfügung. Eine Möglichkeit zur Same-Day-Delivery gibt es jedoch nicht und auch Sonntage und Montage können nicht als Liefertermine gewählt werden.

Um bei diesem Händler bestellen zu können, muss ein Mindestbestellwert von 40€ erreicht werden, zuzüglich 6,90€ Versandkosten. Bei kühlpflichtigen Produkten fällt zudem eine Pauschale in Höhe von 4,90€ an. Eine versandkostenfreie Lieferung ist ab einem Bestellwert von 85€ möglich.

Die Rückgabe von Pfandartikeln und Verpackungen ist zwar kostenfrei, die Rücksendung muss jedoch ausreichend frankiert werden, wobei diese Kosten vom Kunden selbst getragen werden. [16]

Fazit

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass obwohl bei diesem Test keine endgültige Bestellung ausgelöst wurde, der Eindruck erweckt wurde, dass für onlineaffine Kunden eine Bestellung bei diesem Händler attraktiv scheint. Eine besondere Profilierung lässt sich durch das breite Sortiment, die vergleichsweise niedrigen Preise und eine enge Begleitung entlang der Customer Journey ausmachen.

Guten Gewissens kann final gesagt werden:

is all we need!

 

 

[1] Abbildung: Allyouneedfresh.de (Hrsg.) 2018.

[2] Beatles 1967.

[3] Vgl. Gründerszene (Hrsg.) 2012.

[4] Vgl. Manager Magazin (Hrsg.) 2017.

[5] Vgl. Exciting Commerce (Hrsg.) 2017.

[6] Vgl. Handelsdaten (Hrsg.) 2017.

[7] Vgl. Absatzwirtschaft (Hrsg.) 2016.

[8] Vgl. Eurostat 2018.

[9] Vgl. Statista 2017.

[10] Vgl. ATKearney (Hrsg.) 2016.

[11] Vgl. Wirtschaftswoche (Hrsg.) 2017.

[12] Vgl. Handelsdaten (Hrsg.) 2014.

[13] Vgl. Welt (Hrsg.) 2015.

[14] Vgl. TMS Infratest 2016.

[15] Vgl. Konsum-Marketing (Hrsg.) 2016.

[16] Vgl. allyouneedfresh.de (Hrsg.) 2018.

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