Bringt’s Bringmeister?

Autoren: Ferhat Demirci, Alena Kassubek, Marleen Röder, Jonas Schweitzer und Marcel Stehle

„Wir als Online Supermarkt sind schon seit 1997 am Markt. Als Vorreiter für das Einkaufen von Lebensmitteln über das Internet, orientieren wir uns stets an den steigenden Ansprüchen unserer Kunden. Heute nutzen wir modernste Internet- und Logistk-Technologien, um unseren Kunden eine neue Form des Lebensmitteleinkaufs zu ermöglichen.“[1] – so präsentiert sich der Online Supermarkt „Bringmeister“ auf seiner Website.

Die Vorstellung ist genial – ein paar Klicks, dem Bringmeister die Haustür aufmachen und schon ist der Kühlschrank wieder voll. Es ist unglaublich, wie viel Zeit wir im Supermarkt, im Discounter oder im Warenhaus verbringen. Nach der Arbeit nur schnell ein paar Sachen holen – wer schafft das wirklich? Hinfahren, Parkplatz suchen, einen Einkaufswagen holen, alles schnell zusammensuchen und ab an die Kasse. Naja, so schnell es eben möglich ist, sich durch die drängelnde homogene Masse zu kämpfen. Nicht zu vergessen sind die wunderbaren Non-Food Schnäppchen, die dafür sorgen, dass unsere Schränke überquellen und die Flohmärkte eine Renaissance erleben. Nach der Hetzerei nun Wartezeit. Weiter geht’s – Einkäufe ins Auto räumen, Einkaufswagen wegbringen, nach Hause fahren, alles die Treppe hoch schleppen und endlich ab in den Kühlschrank. Wie lange brauchen Sie?

Wir verbringen so viel Zeit mit der Beschaffung der Lebensmittel, dass wir uns für die Zubereitung und das Essen kaum mehr Zeit nehmen möchten. Wie oft schaufeln wir irgendeinen Convenience-Kram zwischen Tür und Angel in uns rein, weil wir weiter zum nächsten Termin müssen?

Im Jahr 2016 erwirtschaftete Bringmeister 16,1 Millionen Euro Umsatz – was rund 25 Prozent mehr waren als im Jahr zuvor.[2] Ist das Ganze einfach ein Hype, den man „mitmacht“, oder konnte Bringmeister mit seinem Konzept überzeugen? Dies gilt es herauszufinden.

Wir wollen Bringmeister in Bezug auf verschiedene Kriterien im Rahmen der Vorlesung genauer unter die Lupe nehmen:

Ist der Service, den Bringmeister bietet bezahlbar? Welches Sortiment wird uns geboten?

Welche Kommunikationskanäle nutzt Bringmeister, um uns zu erreichen und wie bringt der Bringmeister die Einkäufe zu uns nach Hause?

Bestellen bei Bringmeister

Bringmeister bietet seine Lieferdienste in den Ballungsräumen Berlin und München an, für die Landeier unter uns ist eine Belieferung durch Bringmeister demnach nicht möglich.

Die Bestellung bei Bringmeister ist leider nicht über eine eigene App, sondern nur über ihre Internetseite möglich. Das ist unpraktisch für alle, die gerne die Zeit in Bus und Bahn oder andere Wartezeiten sinnvoll nutzen wollen, was wohl auf einen großen Teil ihrer Zielgruppe zutreffen dürfte.

Der erste Eindruck der Startseite von Bringmeister: Viele Produkte, die jedoch sinnvoll und überschaubar präsentiert werden. Im linken Bereich auf der Startseite sind die verschieden Warengruppen aufgeführt: Ob Obst oder Gemüse, ein breites Trockensortiment, Molkereiprodukte oder sogar Tiefkühlwaren – Bringmeister bietet seinen Kunden eine wahre Vielfalt. So sind es die Stammkunden aus ihrem stationären Edekamarkt gewohnt. In der Mitte der Seite werden die Sonderangebote hervorgehoben, der Aufbau der Seite wirkt intuitiv gestaltet.

Schade, dass Bringmeister im Vergleich zur Konkurrenz nur über sehr wenige Kanäle mit den Kunden kommuniziert, sodass Bringmeister auf seiner Facebookseite nur rund 20% der „Likes“ von Amazon-Fresh verzeichnen kann[3] – da kann das Marketing noch ein paar Gänge hochschalten.

Bringmeister bietet eine weitreichende Produktauswahl an. Unter dem Reiter „Obst und Gemüse“ findet der Kunde z.B. 454 Artikel. Mit dem umfangreichen Sortiment kann Bringmeister selbst mit dem Onlinegiganten Amazon-Fresh konkurrieren – im Bereich Sortimentstiefe übertrifft Bringmeister Amazon-Fresh um 1,8 durchschnittlich verfügbare Artikel.

Als voreingestellte Bestelleinheit bei loser Ware ist Kilogramm vorausgewählt – doch wieviel Kilogramm Bananen müssen bestellt werden, um drei Bananen zu erhalten? Dies verwirrt uns als Kunden. Zum Glück lässt sich die Bestelleinheit neben Gramm auch auf Stück ändern. Die Frage warum Stück nicht die voreingestellte Variante ist kann wohl nur Bringmeister selbst beantworten.

Auffällig ist, dass Bringmeister selbst im Bereich der Frischeartikel mit Sonderangeboten wirbt, sodass auch hier eine deutliche Preisersparnis im Vergleich zur Onlinekonkurrenz für den Kunden möglich ist. Außerdem kann der Kunde bei Bringmeister nahezu bei jeder Warengruppe auf die Eigenmarke „Gut & Günstig“ zurückgreifen. Daraus ergibt sich, dass Bringmeister nach Amazon-Fresh den günstigsten Warenkorb vorweisen kann – um genauer zu sein: Bringmeister ist beispielsweise durchschnittlich 5,44% günstiger als der Lieferdienst von Rewe, sogar 58% günstiger als Allyouneed. Lediglich Amazonfresh kann den Durchschnittswarenkorb um 2,40€ unterbieten.

Die Versandkosten von Bringmeister starten aktuell bei 3€, wobei es auch Aktionen gibt, bei denen Bringmeister auf die Versandkosten verzichtet. Die höchsten Versandkosten, die uns während des Tests aufgefallen sind, betrugen 7,50€ – mehr als das doppelte, mehr als happig. Nötig ist der Mindestbestellwert von 40€ – dem Branchenüblichen Wert.

Die Lieferung ist ab 6 Uhr möglich, Kunden wird ein „1-Stunden-Zeitfenster“ geboten, in dem sie ihre Lieferung erhalten wollen. Alles wird durch die eigene Logistikflotte des Händlers abgewickelt. Zum Ärger der Kunden ist es nicht möglich den immensen Verpackungsmüll oder gar die Pfandflaschen bei der Anlieferung wieder abzugeben –  mit diesem Problem werden die Kunden im wahrsten Sinne des Wortes allein gelassen.

In Punkto Kundenbindung ist Bringmeister sehr engagiert. So wirbt der Lieferservice mit einem 10€ Rabatt für Neukunden, 5€ Rabatt für eine Anmeldung für ihren Newsletter und sogar einen Gutschein im Wert von 15€, wenn ein Kunde einen Freund „einlädt“. Auch temporäre Werbeaktionen wie aktuell eine „Bild“ gratis zur Lieferung. Zeitweise bietet Bringmeister eine kostenlose Lieferung an. Sollte eine Lieferung mal nicht frisch beim Kunden ankommen, bietet Bringmeister eine „Geld-zurück-Garantie“ an. Eine Kundenhotline steht ebenfalls zur Verfügung – von Montag bis Samstag, von 7-22 Uhr, also erreichbar wie die meisten Filialen. Einziges Manko ist: Sie ist nicht kostenfrei.

Bringt’s Bringmeister denn jetzt?

Die Anzahl der vergleichsweise wenigen  liegen vermutlich an der mangelnden Kommunikation zwischen Bringmeister und ihren Kunden, denn der Service bzw. die Qualität der Produkte ist einwandfrei. Von uns bekommt Bringmeister auf jeden Fall einen weiteren  – nicht aus Mitleid, sondern vor allem für das große Angebot, die Lieferung am selben Tag und die „Geld-zurück-Garantie“. Wenig begeistert hat uns vor allem die Vorauswahl der Bestelleinheiten und die kostenpflichtige Hotline. Jedoch kleine Makel, die Bringmeister einfach beheben kann. Unsere Meinung: Bringmeister bringt’s!

Quellen:

[1] http://berlin.bringmeister.de/ueber-bringmeister?zipcode=10115.

[2] https://excitingcommerce.de/2016/07/09/bringmeister-lieferdienst-wachst-auf-161-mio-euro-25.

[3] https://www.facebook.com/AmazonFresh, https://www.facebook.com/bringmeister.

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